„Nicht nur auf klassische Themen setzen“

Nina Genböck ist seit 20 Jahren Inhaberin einer PR-Agentur mit zahlreichen deutschen und österreichischen Kunden. Sie berät sie auch in der Frage, wie sie sich selbstbewusst positionieren können

Frau Genböck, was raten Sie Ihren Kunden, wenn es darum geht, als touristischer Anbieter selbstbewusst aufzutreten?

Grundsätzlich ist es wichtig, dass man sich richtig einzuschätzen lernt. Was sind die eigenen Stärken, was kann ich daraus machen, wie kann ich sie nach außen tragen? Wir sind dann am besten, wenn es Menschen im Tourismus gibt, die ein Gefühl haben für Protagonisten, für stimmige Bilder und für Neuigkeiten, die andere wirklich interessieren.

Was interessiert denn die Leute?

Sicher nicht das hundertste Angebot für Waldbaden, das sagen wir unseren Kunden dann auch deutlich. Die Frage ist doch, was die eine von der anderen Destination unterscheidet und wie ein echtes Alleinstellungsmerkmal aussieht.

Wie sieht es denn aus?

Für uns ist wichtig, dass wir möglichst viel über unsere Kunden erfahren. Kommunikation ist in dieser Branche alles. Manchmal ist es ein Nebensatz, der uns neugierig macht. Wenn jemand von einem alten Handwerk erzählt, das es nur dort in der Region gibt, dann kann das sehr spannend sein. Daraus kann ein Pressethema und ein gutes Bildmotiv entstehen.

Da kommen dann ja auch die Einheimischen ins Spiel. Wie wichtig ist heute die Einbindung von Einheimischen im Tourismus?

Sehr wichtig. Indem wir Geschichten über echte Menschen erzählen, sie zu Wort kommen lassen, beteiligen wir sie auch automatisch.

Ich habe schon sehr viel über meine Kunden und ihre Region in den Vorgesprächen gelernt, die wir mit Protagonisten aus der Bevölkerung führen. Es ist wichtig, dass sich nicht nur Touristikerinnen und Touristiker miteinander unterhalten.

Nina Genböck

Gibt es weitere Möglichkeiten, die Menschen am Ort und ihre Lebenswelt in den Tourismus einzubinden?

Ein guter Ansatz sind zum Beispiel Gästekarten, die mit ihren Vorteilen auch für Einheimische nutzbar sind. So etwas kommt gut an. Vor Kurzem haben wir über unseren touristischen Verteiler den Arbeitskräftemangel auf einer ostfriesischen Insel thematisiert. Da erfährt man dann auch etwas über das Inselleben.

Wird so etwas gedruckt?

Durchaus. Besonders gut lief die Geschichte, als auf der Insel Wangerooge ein Leuchtturmwärter gesucht wurde. Die Nachricht ging durch alle Medien und hat einheimisches Leben mit einer touristischen Botschaft verknüpft. Das war noch vor unserer Zeit als Agentur dort, zeigt aber, dass sich Aufmerksamkeit auch erzielen lässt, wenn man nicht nur die klassischen Marketingthemen bedient.

Sind die Inseln danach nicht noch mehr überlaufen als zuvor? Das gefällt den Einheimischen vielleicht weniger.

Overtourism ist ja höchstens ein saisonales und punktuelles Phänomen. Wir versuchen unsere Kunden dahingehend zu beraten, dass sie nicht die Hochsaison und die Hotspots, sondern saisonschwache Zeiten und weniger bekannte Ziele bewerben.

Tourismus ist ja ein weites Feld. Wie sind Sie eigentlich dazu gekommen?

Ich bin eine klassische Quereinsteigerin. Ursprünglich habe ich in Salzburg Politik und Geschichte studiert. Doch dann kam völlig überraschend das Angebot, als Pressesprecherin zur Österreich-Werbung nach Berlin zu gehen. Ich dachte, ich mach das mal zwei Jahre, und bin dann hängen geblieben.  

Was war es am Tourismus, das Ihnen gefallen hat?

Ich habe schnell gemerkt, dass das ein Job ist, der Freude macht. Der Tourismus ist ein Thema, das bei den Leuten positive Assoziationen auslöst. Und es gibt so viele spannende Menschen, die man im Tourismus kennenlernen kann. Das erlebe ich immer wieder bei meinen Kunden.

Welche touristischen Kunden beraten Sie denn?

Wir sind ausschließlich im deutschsprachigen Raum unterwegs. Der Großteil der Kunden kommt aus Österreich. Dazu gehören Landestourismusorganisationen wie Tirol oder das Salzburger Land, aber auch viele Regionen. In Deutschland haben wir eine spannende Kombination aus Oberstaufen, der Altmark, den ostfriesischen Inseln und einem Ferienhausanbieter. Der Marketing-Verbund Drei-Welten-Card aus Baden-Württemberg gehört auch dazu.

Entscheidend bleibt der Mensch, er ist gerade im Tourismus durch nichts zu ersetzen.

Nina Genböck

Wie sieht Ihre Beratung aus?

Es gibt unterschiedliche Intensitäten der Zusammenarbeit. Von der Rundumbetreuung bis zu sporadischen Aktionen ist alles dabei. Im Vergleich zu anderen Agenturen sind wir noch sehr klassisch unterwegs. Wir konzentrieren uns auf den etablierten Medienmarkt, weniger auf das Influencer-Marketing. Die Palette reicht von der Presseaussendung bis zur Pressereise und der Medienkooperation. 

Wie kann man dabei Beachtung finden?

Gespräche mit ausgewählten Medien und Medienleuten, die in die Tiefe gehen, können sehr sinnvoll sein. Da vermitteln wir Kontakte.

Gibt es eigentlich Unterschiede, was den Stellenwert des Tourismus in Österreich und in Deutschland angeht?

Ich lebe jetzt seit über 25 Jahren in Berlin, aber mein österreichischer Akzent ist immer noch hörbar. Und da passiert es mir ab und zu, dass mich Menschen auffordern, doch nochmal etwas auf Österreichisch zu sagen, weil das so schön nach Urlaub klingt. Ich glaube, dass Österreich als Land einfach mehr mit dem Tourismus assoziiert wird als Deutschland. In Österreich hat der Tourismus eine viel größere Bedeutung, auch wirtschaftlich.

Hat das Auswirkungen auf die Mentalität und die Identität?

Das kann schon sein. Man lebt den Tourismus in Österreich einfach mehr und trägt ihn auch stärker nach außen. Die Menschen identifizieren sich sehr mit dem Tourismus, viele von ihnen arbeiten in der Branche, zumindest dort, wo er eine größere Rolle spielt.

Können wir in Deutschland etwas von Österreich lernen?

Ich weiß nicht. Jeder muss seine eigenen Stärken, seine eigene Identität finden. Viel hängt mit den Akteuren zusammen, die den Tourismus vorantreiben. Wo gute Leute sind, die hinter ihrer Region stehen, können sie auch engagiert und selbstbewusst auftreten.

Wagen Sie doch mal einen Blick in die Zukunft. Was sind die Herausforderungen, worauf kommt es an im Tourismus?

Die künstliche Intelligenz spielt künftig auch im Tourismus eine große Rolle. Da muss man gut überlegen, wie man sie sinnvoll einsetzt. Entscheidend bleibt aber der Mensch, er ist gerade im Tourismus durch nichts zu ersetzen, das muss allen Beteiligten klar sein.

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