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Innovation

KI zum Anfassen

In Heilbronn entsteht etwas Großes mit Strahlkraft weit über Baden-Württemberg hinaus: Der Innovationspark für Künstliche Intelligenz (IPAI) soll zum internationalen KI-Zentrum werden – für den Tourismus ein ganz neues Spielfeld

Quick Wins

Touristisch erlebbar
Eine Ausstellung informiert über das internationale Zukunftsprojekt IPAI in Heilbronn.

Markante Optik
Der künftige IPAI-Campus wird allein durch seine spektakuläre Architektur zu einer touristischen Sehenswürdigkeit.

Boomtown
Heilbronn zählt derzeit zu den dynamischsten Städten Deutschlands. Noch nie kamen so
viele Reisende in die Stadt wie 2024.

Noch kann man lediglich erahnen, was nahe der A6 im Areal Steinäcker bei Neckargartach passiert. Auf der grünen Wiese bereiten die Bagger den Baugrund vor, im Oktober war der offizielle Spatenstich für den 30 Hektar großen IPAI-Campus. Hinter dem Innovationspark für Künstliche Intelligenz im Norden von Heilbronn steht ein ehrgeiziges Ziel: Hier soll das wohl ambitionierteste Projekt für KI in Europa aufgebaut werden. Schon jetzt lockt IPAI interessierte Besucherinnen und Besucher in die Stadt – und eröffnet damit ein neues touristisches Feld.

Es soll bei uns auch ein kritischer Dialog stattfinden.

Jan Denia – Pressesprecher IPAI

Die aktuelle Heimat des IPAI liegt etwa drei Kilometer Luftlinie vom zukünftigen Innovationspark entfernt: die IPAI-Spaces. „Das ist eine Art Zwischenschritt auf dem Weg zum zukünftigen Campus“, erklärt Pressesprecher Jan Denia. Von hier aus wird der weitere Aufbau von Netzwerk und Innovationspark koordiniert. Für Partner und Mitgliedsfirmen stehen hier jetzt schon auf 6.500 Quadratmeter Fläche und vier Stockwerken Büros, Veranstaltungsflächen, Workshopbereiche, ein Podcast- und Streamingstudio sowie ein Reallabor zur Verfügung. Anlaufstelle für die interessierte Bevölkerung ist das 1.000 Quadratmeter umfassende Besucherzentrum im Erdgeschoss – mit Führungen durch die Ausstellung und KI zum Anfassen.

Ein gemütliches Café mit Sofas, Loungetischen und einer Terrasse zum Draußensitzen bildet den Mittelpunkt. Warme Materialien und Farben lassen die Räume alles andere als technisch und steril wirken. Es gibt wechselnde Kunstausstellungen, Talks und Vorträge. Jüngst fanden die „Robotic Weeks“ statt, in deren Rahmen jede Woche ein anderer Roboter vorgestellt wurde – wie der bekannte „Mirokai“, der Gegenstände greifen und bewegen, logistische Aufgaben übernehmen und mit seinem Gesicht Emotionen ausdrücken kann.

KI zum Ausprobieren

Die Mitmach-Stationen sind so gestaltet, dass Interessierte auch ohne Vorkenntnisse Technologie durch Interaktion erleben können. Ein Demonstrator der Ars Electronica (Linz) zeigt zum Beispiel, wie neuronale Netzwerke bei der Bilderkennung funktionieren. Eine Kamera verarbeitet zunächst die Bilddaten; über Bildschirme kann man dann der KI dabei zusehen, wie sie eine Wahrscheinlichkeit entwickelt, was genau zu sehen ist. Podcasts, die in einer „Sounddusche“ zu hören sind, bieten Einblicke in aktuelle Diskussionen zum Thema. Man kann sich im Vier-gewinnt-Spiel mit einer KI messen oder in einem Quiz sein eigenes KI-Wissen testen. Nicht jedem dürfte ganz wohl dabei sein, dass eine KI-gesteuerte Technologie, die im Gesundheitsbereich eingesetzt wird, allein per Kamera Vitalzeichen wie Blutdruck, Puls und Atemfrequenz erfassen kann. „Es soll bei uns auch ein kritischer Dialog stattfinden“, betont Jan Denia. „Ängste und Sorgen entstehen, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt. Daran wollen wir arbeiten.“  

Was in den IPAI-Spaces bereits „im Kleinen“ stattfindet, wird später auf dem Campus draußen vor der Stadt fortgesetzt. Hier sollen künftig bis zu 5.000 Menschen an Innovationen rund um KI tüfteln. Ein interaktives Modell und Zeitraffer-Aufnahmen informieren im Eingangsbereich in den IPAI-Spaces über das Großbauprojekt. Die ersten Gebäude des ersten Bauabschnitts sollen bis 2027 bezugsfertig sein. Die Pläne stammen vom renommierten Architekturbüro MVRDV aus Rotterdam und sehen ein Mixed-Use-Konzept vor: KI-Forschungslabore, Start-up-Innovation-Center und Büroturm sollen mit temporärem Wohnen, Gastronomie, Freizeit- und Erholungsangeboten kombiniert werden. Die kreisrunde Optik des Geländes erinnert an einen gigantischen Computerchip und soll zum internationalen Markenzeichen werden – mittendrin das markante, verspiegelte Kommunikationszentrum, in dem künftig auf sechs Ebenen KI für Gäste erlebbar gemacht wird.

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Ein interaktives Modell zeigt, wie der IPAI-Campus einmal ausschauen wird
©IPAI/MVRDV
Im Campus-Mittelpunkt steht das markante Kommunikationszentrum

Boomtown Heilbronn

„Heilbronn ist derzeit eine der dynamischsten Städte Deutschlands“, sagt Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH. IPAI ist eine Fortführung dessen, was mit dem Bildungscampus der Dieter-Schwarz-Stiftung und dem Science-Center Experimenta bereits seinen Anfang nahm: Heilbronn entwickelt sich zu einer Wissensstadt von Weltrang. Mit immer größerer Dynamik gewinnt sie dabei auch touristisch Profil und etabliert sich als attraktive Reisedestination – befeuert durch die Bundesgartenschau 2019, die ein Millionenpublikum willkommen hieß, und den stetigen Ausbau der Bettenkapazitäten. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Übernachtungszahlen nahezu verdoppelt. Nun ist eine weitere Attraktion angedacht: Eine Seilbahn soll als Teil des ÖPNV die Innenstadt mit dem Bildungscampus und dem IPAI verbinden. Konkrete Planungen laufen bereits.

Gut zu Wissen

Künstliche Intelligenz in der Experimenta
Der KI-Pavillon: Seit Anfang 2024 ergänzt ein 180 Quadratmeter großer Holzpavillon zum Thema KI das Angebot der Experimenta Heilbronn, Deutschlands größtem Science-Center mit 400.000 Besuchenden jährlich. Der kostenfrei zugängliche Pavillon auf dem Vorplatz zeigt die Geschichte der Technologie und bietet interaktive Stationen, an denen Gäste KI-Anwendungen ausprobieren können. Zudem gibt es virtuelle Einblicke in die Aktivitäten des IPAI.
Es werde Licht: Die Installation „Echo“ am KI-Pavillon gewann 2025 den Deutschen Lichtdesign-Preis in der Kategorie „Projekte mit künstlerischem Hintergrund“. Bei Dunkelheit übersetzt sie die Stimme von Passantinnen und Passanten in Licht. Idee und Konzept stammen vom Berliner Licht- und Architekturstudio Dipol.
„KI, was geht?“: Die Sonderausstellung in der Experimenta (bis 6. September 2026) zeigt, dass wir mitten im Zeitalter der KI leben und ihre Einsatzfelder wachsen. Mit Anwendungsbeispielen, technischen Hintergründen und ethischen Fragen vermittelt sie Wissen verständlich und greifbar.

Mehr Information zum Thema

Unter der Leitlinie „Begegnen. Begreifen. Begeistern.“ werden im Besucherzentrum der IPAI-Spaces spannende Einblicke in Anwendungen von künstlicher Intelligenz vorgestellt.